Manche Menschen arbeiten jahrelang auf eine Führungsposition hin, andere werden völlig unerwartet befördert, und zweifeln dann an sich selbst. Doch wie geht man mit diesen Selbstzweifeln um, und welche Rolle spielen Unternehmen dabei?
Unerwartete Karrieresprünge: von der Monarchie bis zur Politik
Nicht jede Beförderung ist gewollt oder geplant. Ein bekanntes Beispiel aus der Geschichte ist König George VI., der ursprünglich nie König werden wollte, jedoch die Krone übernehmen musste, als sein Bruder Edward VIII. abdankte. In jüngerer Zeit übernahm Alexander Schallenberg unerwartet das Amt des österreichischen Bundeskanzlers, ein Posten, den er laut eigenen Aussagen nie angestrebt hatte, aber aus Pflichtgefühl annahm.
Selbstzweifel bei Beförderungen, vor allem bei Frauen ein Thema
In Unternehmen kommt es noch viel häufiger vor, dass Mitarbeiter:innen eine Führungsrolle angeboten wird, die sie nicht sicher annehmen möchten. Laut Judith Girschik, Führungskräfte-Coach und Geschäftsführerin von LSS Leadership Services, sind es oft Frauen, die an ihrer Qualifikation zweifeln, ein Phänomen, das als Hochstapler-Syndrom bekannt ist. Viele Frauen schreiben ihren Erfolg eher äußeren Umständen als ihrer eigenen Kompetenz zu und sind unsicher, ob sie den neuen Anforderungen gerecht werden.
„Oft sind es hochqualifizierte Frauen, die seit Jahren in einer Kanzlei oder einem Unternehmen tätig sind und dann zur Partnerin oder Teamleitung aufsteigen sollen“, erklärt Girschik. „Doch viele fragen sich: Kann ich das überhaupt? Will ich das?“
Wie kann man die Entscheidung erleichtern?
Wenn Zweifel aufkommen, können einige Fragen helfen:
- Passt die neue Rolle zu meinen persönlichen Werten und Zielen?
- Habe ich durch die neue Position die Möglichkeit, das Unternehmen positiv zu beeinflussen?
- Welche langfristigen Chancen bietet mir diese Beförderung?
Ein höheres Gehalt kann eine Motivation sein, doch für eher zurückhaltende Menschen ist das oft kein entscheidender Faktor. Wichtiger ist die Reflexion über die eigenen Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem können gezielte Coachings und Vorbereitungen helfen, um Unsicherheiten abzubauen und souverän aufzutreten.
Auch Unternehmen haben eine Verantwortung
Selbstzweifel qualifizierter Mitarbeitender sind nicht nur deren persönliches Problem. Sie sind auch für Unternehmen eine Herausforderung. Denn wenn talentierte Fachkräfte sich eine Führungsrolle nicht zutrauen, kann das wertvolles Potenzial ungenutzt lassen.
Unternehmen sollten deshalb darauf achten, welche Eigenschaften sie bei Führungskräften fördern. Wird bei Beförderungen vorrangig auf Durchsetzungsfähigkeit und Dominanz gesetzt, oder zählen auch Empathie und Fachkompetenz? Wenn auch ruhigere, besonnene Menschen in Führungspositionen aufsteigen, kann das eine positive Signalwirkung für andere haben und mehr Talente ermutigen, sich eine solche Rolle zuzutrauen.
Beförderung: Zweifel verschwinden oft schneller als gedacht
Die gute Nachricht für alle, die vor einer unerwarteten Beförderung stehen: Laut Expert:innen wird der neue Job oft schneller zur Normalität, als man denkt. Sobald die erste Unsicherheit überwunden ist, stellt sich Routine ein, und die Frage „Kann ich das überhaupt?“ spielt kaum noch eine Rolle.
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