Resilienz fördern in der Krise

Die aktuelle Krise stellt viele von uns vor große Herausforderungen. Menschen klagen über erschwerte Arbeitsbedingugen und wirtschaftliche Verluste. Manche von uns erleben die aktuelle Situation als besonders belastend. Vielleicht scheitern sie daran. Andere wiederum stecken Rückschläge mit Leichtigkeit weg. Sie erkennen auch in Krisen neue Chancen. Mehr noch: Sie gehen sogar daraus hervor. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen: Persönlichkeit und die damit verbundene Resilienz.

Auch in der aktuellen Covid-19-Krise ist Resilienz nachgefragt. Manager suchen nach Mitteln und Wegen, um mit neuen Lebens- und Arbeitssituationen gut fertig zu werden. Im Coaching von Führungskräften zeigt sich: Immer mehr Manager wollen ihre Resilienz stärken, sind auf der Suche nach einem Resilienztraining. Sie verbinden damit den Wunsch, mit schwierigen, belastenden oder gar traumatischen beruflichen Erlebnissen souveräner umgehen zu können.

Was ist die Definition von Resilienz?

Das Wort Resilienz stammt vom lateinischen Resilire und bedeutet „zurückspringen“, also zur ursprünglichen Form zurückzukehren. Der Duden definiert Resilienz als psychische Widerstandskraft. Im Coaching meinen wir damit die individuelle Widerstandsfähigkeit eines Menschen angesichts belastender beruflicher oder privater Lebensumstände. Dazu zählt auch die Fähigkeit, sich von negativen Erlebnissen wieder zu erholen. Man könnte auch sagen: Resiliente Menschen verfügen über eine Art Puffer, der ihnen hilft, sich erfolgreich an ungünstige Lebensumstände anzupassen.

Resilienz hilft uns nicht nur, Widrigkeiten zu überwinden, sondern Rückschläge auch in Chancen für persönliches Wachstum zu verwandeln. Resilienz lässt uns weitermachen, auch wenn wir den sprichwörtlichen Gegenwind verspüren. Schließlich geht es auch um die Kreativität, die wir brauchen, um flexibel mit den Anforderungen der Außenwelt umzugehen.

Welche Resilienzfaktoren gibt es?

Resilienz ist eng mit dem von Albert Bandura geprägten Begriff der Selbstwirksamkeit verbunden. Unter Selbstwirksamkeit verstehen wir die Erwartung eines Menschen, die eigenen Pläne auch in die Tat umsetzen können.

Resiliente Menschen verfügen in aller Regel über ein hohes Selbstvertrauen, Neugier und Selbstdisziplin. Sie verfügen über Selbstwertgefühl und schaffen es, auch in schwierigen Situationen die emotionale Kontrolle zu behalten. Resiliente Menschen sind belastbarer. Sie haben eine optimistische, manchmal energische und enthusiastische Einstellung zum Leben. Sie sind offen für neue Herausforderungen.

Folgende Resilienzfaktoren kennen wir:

  • Akzeptanz: Resiliente Menschen hadern nicht mit ihren Lebensumständen. Sie machen eine objektive Bestandsaufnahme. Dann akzeptieren sie die harte Realität, wie sie ist.
  • Sinn: Sie sind in der Lage, auch negativen Ereignissen Sinn abzugewinnen. Sie suchen stattdessen nach einer neuen Perspektive, die sich aus ihrem aktuellen Leid ergeben könnte.
  • Selbstwirksamkeit: Resiliente Menschen vertrauen auf ihre Fähigkeit, ihre Ziele erreichen zu können.
  • Improvisation: Resiliente Persönlichkeiten sind kreativ und erfinderisch. Sie sind ausgezeichnet im Improvisieren. In welcher Situation sie sich auch befinden: Sie finden Mittel und Wege, gut damit zurechtzukommen.

Ist Resilienz erkennbar?

Die emotionale Belastbarkeit eines Menschen ist zu einem erheblichen Teil genetisch bestimmt. Das individuelle Persönlichkeitsprofil eines Menschen gibt Aufschluss über seine Resilienz. Eine große Rolle spielt dabei sein individueller Neurotizismus-Wert. Neurotizismus ist neben Offenheit, Extraversion, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit ein Aspekt der sogenannten Big Five Persönlichkeitsfaktoren. Menschen mit niedrigen Werten für Neurotizismus verfügen oft über hohe Resilienz-Werte.

Resilienz entwickelt sich zu einem guten Teil auch aus der Qualität der Beziehungen, die wir schon in der Kindheit mit den Menschen in unserer Umgebung hatten. Sind diese Verbindungen stabil und positiv, macht uns das widerstandsfähig. Wir können dann mit belastenden negativen Ereignissen besser umgehen.

Entscheidend für eine erfolgreiche Krisenbewältigung und gleichzeitige Potenzialentfaltung sind auch respektvolle, vertrauensvolle Beziehungen mit Familie, Freunden oder Kollegen. Gerade in Managementfragen empfiehlt sich aber auch professionelle Hilfe, zum Beispiel durch einen Coach.

Das kann sich langfristig lohnen: Wer resilienter geworden ist, kann sich auch im Alter auf ein protektives Persönlichkeitsmerkmal verlassen. Resiliente Personen verfügen auch in einem höheren Lebensalter über größeres körperliches Wohlbefinden. Diese Menschen klagen auch seltener über körperliche Beschwerden als andere. Nicht zuletzt aus diesem Grund wollen immer mehr Klienten und Klientinnen ihre Resilienz stärken.

Resilienztraining: Wie kann ich Resilienz lernen?

Resilienz lässt sich auch erlernen und erarbeiten. Einen guten Rahmen dafür bietet ein Resilienztraining  im Rahmen von Coaching. Die Möglichkeit zur Reflexion, die Ihnen einen professioneller Coach bietet, reduziert darüber hinaus Stress und hilft Ihnen, mit den Widrigkeiten Ihres beruflichen Alltags leichter umzugehen.

Woran arbeiten wir in einem Resilienztraining? Und welche Empfehlungen sind damit verbunden?

  1. Akzeptanz
    Anerkennen Sie die aktuelle Situation. Auch wenn es verlockend ist, eine dramatische Veränderung wie einen Verlust zunächst nicht wahrhaben zu wollen. Der erste entscheidende Schritt zu mehr Resilienz ist die Akzeptanz der harten Realität. Stellen Sie sich darauf ein, dass eine vielleicht lange Durststrecke vor Ihnen liegt.
  2. Nach Sinn suchen: Auch wenn Ihre Situation zunächst aussichtslos erscheint: Begeben Sie sich nicht in die Opferrolle. Suchen Sie stattdessen nach einer Perspektive, die sich aus ihrer aktuell misslichen Situation ergeben könnte. Überlegen Sie, im welcher künftigen Situation Sie das jetzt Gelernte sinnstiftend einsetzen können. So können Sie es schaffen, über aktuelles Leid hinauszuwachsen.
  3. Selbstwirksamkeit: Vertrauen Sie darauf, dass Sie die Kraft und die Fähigkeit besitzen, Ihre Ziele auch zu erreichen. Überlegen Sie, welche Stolpersteine Ihnen auf Ihrem Weg begegnen können und entwickeln Sie Strategien und Werkzeuge, um damit umzugehen.
  4. Improvisieren
    Seien Sie kreativ und improvisieren Sie. In welcher Situation sie sich auch befinden: Sie finden Mittel und Wege, gut damit zurechtzukommen. Versuchen Sie also, auch geringe Mittel bestmöglich einzusetzen. Erkennen Sie Möglichkeiten, die andere übersehen.

Quellenverzeichnis

Bandura, A. (1997). Self Efficacy: The Exercise of Control. New York: W. H. Freeman.

Coutu, D. L. (2010). How Resilience Works. In H. B. Press, On Managing Yourself. Boston: Harvard Business Review Press.

Frankl, V. E. (2015). Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn. München: Piper.

Gabriel, T. (2005). Resilienz – Kritik und Perspektiven. Zeitschrift Fur Padagogik, 51(2), 207-217.

Grevenstein, D., & Bluemke, M. (2015). Can the Big Five explain the criterion validity of Sense of Coherence for mental health, life satisfaction, and personal distress? Personality and Individual Differences, 77, 106-111.

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Leppert, K., Gunzelmann, T., Schumacher, J., Strauß, B., & Brähler, E. (2005). Resilienz als protektives Persönlichkeitsmerkmal im Alter. Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie, 55(08), 365-369.

Tugsbaatar, U. (20. 11 2019). Self-Efficacy for Agentic Positive Psychology. Von Positive Psychology: https://positivepsychology.com/bandura-self-efficacy/

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