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Künstlergespräch mit Dr. Erich Kreutzer, Dr. Manfred Marx und Dr. Dimitre Staykov. Diskutiert wurden die Themen Leadership, Medizin und Kunst. Eingeladen zum Gespräch hatte Judith Girschik, Leadership Institute.

Die Gesprächspartner sind nicht nur erfolgreiche Mediziner und Künstler, sondern auch Führungskräfte. Die damit verbundenen Aufgaben mögen auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, sind dies aber nur bedingt. Die Antworten auf folgende Fragen veranschaulichen das.

Führungsaufgabe Medizin

JG: Inwieweit sehen Sie das Thema Leadership als bedeutend im medizinischen Alltag? Kommt Leadership in der Medizin eine andere Aufgabe zu als in anderen Lebensbereichen, etwa der Wirtschaft?

Dr. Manfred MarxManfred Marx:
Für mich stellt sich die Frage nach gelungener Führung vor allem im Bereich der universitären Lehre. Gerade wenn es darum geht, über 1200 Studierenden Inhalte zu vermitteln, sind ganz spezifische Leadership-Skills gefragt.
Darüber hinaus gibt es in der Medizin immer wieder Notfallsituationen, in denen sich Rahmenbedingungen schlagartig ändern können.
Gerade dann braucht es seitens des Mediziners Führungsqualitäten, um mit der Herausforderung bestmöglich im Sinne des Patienten umzugehen. In diesem Kontext kann man auch von emergenter Führung (*Beispiel einer geteilten/informellen Führung nach Hollander) sprechen.

Dimitre Staykov:
Mir hat sich die Forderung nach gelungener Führung im Zuge der Neugründung einer Abteilung gestellt. Damit im Zusammenhang stand eine Vielzahl neuer Projekte und damit auch operative Herausforderungen, die über den typischen Alltag eines Mediziners hinausgehen. In einem solchen Kontext die nötige Distanz und Kontrolle zu behalten, auch das ist Führungsaufgabe.

Medizin als Kunst?

JG: Immer wieder zieht es Mediziner in die Kunst. Was macht die bildende Kunst für Sie als Mediziner besonders für Sie? Ist Medizin mehr als angewandte Naturwissenschaft? Ist Medizin Kunst?

Manfred Marx: Für mich bietet Kunst Ausgleich. In der bildenden Kunst steht für mich der Prozess und seine Optimierung im Vordergrund. Das Schaffen von Kunst ist für mich in gewisser Weise auch ein meditativer Prozess. Ähnlich wie für den Mediziner findet sich auch in der Kunst eine gewisse Getriebenheit, das Bedürfnis, die Dinge immer besser zu machen.

Erich Kreutzer: Ich empfinde gewisse Bereiche der Medizin per se als Kunst. Man denke etwa an die Zahnmedizin, die gerade im ästhetischen Bereich viel für Menschen leisten kann und in der künstlerische Perfektion eine große Rolle spielt. Andererseits empfinde ich Kunst gleichsam als Medizin. In schwierigen Lebensphasen – das hat meine Erfahrung gezeigt – kann Kunst – in meinem Fall ist das die Fotografie – Menschen auch auffangen, Leere füllen und aus emotionalen Tälern führen.

Dimitre Staykov:
Mich hat Kunst schon während meines Studiums interessiert, Atlanten und handkolorierte Werke haben mich fasziniert. Ähnlich wie in der Medizin, besteht heute in der Malerei die Herausforderung für mich darin, den eigenen hohen Ansprüchen zu genügen.
Auch Kunstwerke wollen penibel vorbereitet und detailgetreu ausgeführt werden, manchmal sind das vier bis fünf gleichzeitig.
So betrachtet fordert auch das Schaffen von Kunst eine ähnliche hohe Konzentration und Anspannung wie im medizinischen Alltag. Von einem Ausgleich würde ich daher nicht sprechen.

Vereinbarkeit von Medizin und Kunst

Wie sieht es mit der Vereinbarkeit zwischen dem Beruf als Mediziner und dem des Kunstschaffenden aus?

Staykov: Das Schaffen von Kunst ist für mich eine tägliche Aufgabe, die Malerei ist mittlerweile in meinen Alltag integriert. Hier befinden wir uns in der Tradition vieler Mediziner, für die Kunst bereits in den vergangenen Jahrhunderten ein attraktives Betätigungsfeld war.

Marx: Der Zugang zur Kunst ist für mich ein individueller, flexibler, eher sporadischer. Auch für mich ist ein wesentliches Thema, im Schaffen von Kunst den eigenen Ansprüchen zu genügen. Mit anderen Worten: Von Tag zu Tag am eigenen Können zu arbeiten, also immer besser zu werden. Wichtig ist es, zwischen den beiden Genres (Medizin und Kunst) rasch umschalten zu können.

Die Österreichische Gesellschaft für Kunst & Medizin (ÖGKM) als Katalysator 

Wie haben Sie den Weg zur ÖGKM gefunden?

Marx: Für mich war der Weg ein eher zufälliger.
Staykov: Ich bin im Rahmen einer Ausstellung auf die Gesellschaft gestoßen.

Dr. Erich KreutzerKreutzer:
Meine Frau, Dr. Katalin Rath, ist die Gründerin der Österreichischen Gesellschaft für Kunst und Medizin. Gemeinsam mit einer Reihe gleichgesinnter Mediziner hat sie vor mittlerweile über 5 Jahren die  ÖGKM aus der Taufe gehoben.

Zuerst war ich interessierter Beobachter dieses Projekts, später bin ich eingesprungen, als die Webdesignerin von einem Tag auf den anderen das Handtuch warf.  Seither betreue ich den Internet-Auftritt der ÖGKM.
Und schließlich durfte ich im Rahmen der ÖGKM die Sparte Fotografie übernehmen und mich damit in gewisser Weise auch künstlerisch verwirklichen. Erfreulicherweise befeuert die Gesellschaft also auch mein künstlerisches Engagement.

JG: Was macht die ÖGKM besonders für Sie?

Staykov: Der Verein deckt viele Kunstgattungen ab, nicht nur im Bereich der bildenden Kunst. Ein breit gestreutes Programm und Vorträge zu unterschiedlichsten Themen sind für mich ansprechend und spannend.

Marx: Zu all dem kommt noch die soziale Komponente, der persönliche Austausch zwischen den Mitgliedern. Insgesamt ein ambitioniertes Programm mit breit gefächerten Weiterbildungsveranstaltungen, die auf künstlerisches Wachstum zielen.

JG: Herr Dr. Marx, ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt, ist Kunst für Kinder (KUKI). Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Marx: Mit dem Projekt Kunst für Kinder schaffen wir eine ambulante Möglichkeit, Kinder mit Herzkrankheiten, Diabetes oder Adipositas kunsttherapeutisch zu betreuen. Auch hier steht Kunst nicht nur für Medizin, sondern hier gibt Kunst auch an die Medizin, vor allem aber an unsere jungen Patienten, zurück.

Die ÖGKM in Zukunft  

JG: Was dürfen wir im Jahr 2020 vom ÖGKM erwarten?

Kreutzer: Für das kommende Jahr haben wir ein ambitioniertes Programm mit ca. 20 Veranstaltungen plus ca. 10 – 12 ausgesuchte Weiterbildungsveranstaltungen vorbereitet. Zwei neue Formate werden das bisherige Programm ergänzen. Es sind dies moderierte Filmabende und ein Wissenschaftssalon als Diskussionsforum. Um die ÖGKM kennenlernen zu können werden wir auch 2020 wieder 4 sog. Klubabende veranstalten. Das gesamte Veranstaltungsprogramm der ÖGKM findet man auf www.oegkm.net 


Mehr über unsere Gäste:

Dr. Erich J. Kreutzer
Vorstandsmitglied Österreichische Gesellschaft für Kunst und Medizin. Dr. Kreutzer ist leidenschaftlicher Photograph mit einem Schwerpunkt auf Wetplate-Collodion-Fotografie mit historischen Platten-Kameras sowie Ausarbeitung der (Glas-) Negative mit historischen Druckverfahren.

Prof. Dr. Manfred Marx
Senior Oberarzt am AKH Wien. Er ist Kinderkardiologe mit den Schwerpunkten Rhythmologie und Pulmonale Hypertension.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Dimitre Staykov
Neurologe und Vorstand der Abteilung für Neurologie, Barmherzige Brüder Eisenstadt. Unter seinem Künstlernamen „Demetrius“ veranstaltet Dr. Staykov nationale und internationale Ausstellungen mit seiner Kunst.