Geld ist nicht alles – im Gespräch mit Mag. Johanna Eisenberger

Die aktuelle Wirtschaftskrise lässt viele Menschen über ihre persönlichen ökonomischen Verhältnisse nachdenken. Das betrifft auch Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen. Über die ganz spezifischen Herausforderungen dieser Gruppe durften wir mit der bekannten Finanzexpertin Mag. Johanna Eisenberger sprechen. Das Gespräch führte die Geschäftsführerin des Leadership Institute, Dr. Judith Girschik.

Frau Mag. Eisenberger, Sie haben sich einen Namen gemacht im Bereich Finanzberatung, speziell wenn es um die ökonomischen Anliegen von Frauen geht. Was macht diese Aufgabe so spannend für Sie?

Mag. Eisenberger: Ja, danke! Ich bin Expertin im „Basislager“ für finanzielle Ziele. Von hier aus besteigen wir gemeinsam die höchsten Gipfel und kommen sicher dort an. Du hast bereits vorab etwas Kondition aufgebaut. Von mir erhältst du Tipps für die optimale Ausrüstung, den besten Proviant, erfährst wie lange die Wanderung bzw. der Aufstieg dauern wird und wo wir bei einem Wetterumschwung guten Unterstand finden, damit wir den Gipfel auch sicher erreichen. Und dabei begleite ich dich Schritt für Schritt, durch alle Phasen, bis zum Ziel.

Jede Kundin, jeder Kunde hat seine persönlichen Gipfel, es gleicht somit kein Fall dem anderen. Das macht die Arbeit sehr abwechslungsreich und zugleich herausfordernd und spannend. Dabei vergleiche ich meine Arbeit auch gerne mit einem maßgeschneiderten Kleid oder Anzug. Die Grundprinzipien sind ähnlich, doch beginnend von der Materialauswahl über den Schnitt und die Farben gibt es ein ganz breites und buntes Spektrum. Sprich die Lösungskonzepte und Strategien sind so flexibel, dass sie an alle Lebensbereiche angepasst werden können. Das erfordert einen guten Blick auf das Wesentliche und erlaubt viel Kreativität in der Umsetzung.

Beispiele für diese Ziele oder Gipfel sind etwa die eigene Wohnung, das eigene Haus oder der Zweitwohnsitz, die Absicherung der gesamten Familie gegen finanzielle Einbußen, die Sicherung des gewohnten Lebensstandards auch später im Alter und die sichere Vermehrung und Übertragung des Vermögens an die nächste Generation.

Und wenn erst einmal ein Gipfel erreicht ist, gibt es immer wieder neue Gipfel, die es zu erreichen gilt!

Sie legen besonderes Augenmerk auf die Betreuung „weiblicher“ Anliegen. Warum brauchen gerade Frauen Beratung in finanziellen Fragen? 

Mag. Eisenberger. Ganz generell wird bei uns in Österreich bislang kaum Wert auf Finanzbildung und die wirtschaftliche Lebensplanung gelegt, und damit meine ich nicht Karriereplanung, die ein Teil davon ist. Immer wieder ist mir in meinen Gesprächen aufgefallen, dass Frauen oft erst in besonderen Situationen, wie Scheidung oder Tod des Partners erfahren, wie wichtig es ist, über die eigenen Finanzen bzw. die der Familie Bescheid zu wissen. Durch die nach wie vor bestehende Ungleichverteilung bei der Kindererziehung sind Frauen sowohl was die eigene Karriere betrifft als auch beim Einkommen benachteiligt. Das wirkt sich nicht nur auf den aktuellen Lebensstandard, sondern noch viel mehr auf das Einkommen in der Pension aus. Altersarmut betrifft daher auch hauptsächlich Frauen.

Bei jungen Frauen ist die berufliche und finanzielle Eigenständigkeit bereits mehr im Fokus verankert und wird dadurch schneller erreicht. Mittlerweile verfügen Frauen generell über eine sehr gute Ausbildung und erhöhen dadurch ihre Chancen, nicht nur auf der Karriereleiter, sondern auch auf der finanziellen Leiter schneller und höher aufzusteigen. Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen ist ein lohnendes Ziel.

Ein weiteres Problem ist folgendes: Geld wird jedes Jahr schleichend weniger durch Inflation und Steuern, auf lange Sicht droht die Pensionslücke.

Gibt es dafür eine ganz bestimmte Klientel?

Mag. Eisenberger: Ja! Jede bzw. jeder, der mehr als EUR 5.370,– monatlich, das ist die sog.  Höchstbeitragsgrundlage verdient, verliert im Alter überproportional. Das heißt, je höher das Einkommen während der aktiven Arbeitsphase ist, desto größer ist dann  der Einschnitt in der Pension. Die aktuellen Zahlen der Sozialversicherung aus 2019 zeigen ein ernüchterndes Bild: Die durchschnittliche Höhe der Alterspension betrug für Männer 1.727 Euro und für Frauen 1.064 Euro (jeweils brutto, 14-mal). Und davon wird noch die Sozialversicherung abgezogen, zumindest ersparen sich die Frauen hier die Lohnsteuer.

Idealerweise hat man bereits zum Berufsantritt schon mit seinen Vorsorgen gestartet. Oft fehlt jedoch das Bewusstsein für später, man lebt ja im Hier und Jetzt. Wer erst spät startet, muss dementsprechend den Einsatz erhöhen, um seinen Lebensstandard im Alter in gewohnter Weise erhalten zu können.

Auch die Generation der Erben benötigt gute Beratung. Hier geht es um den Erhalt oder die Vermehrung des Familienvermögens und um die Fortführung des  Familienunternehmens, beides will gelernt sein.

Finanzexpertin Eisenberger und Führungskräfte Coach Girschik

Im Leadership Institute beschäftigen wir uns vor allem mit dem Coaching von Führungskräften, damit auch der Beratung von Frauen in Führungspositionen, z. B. im Sektor Banken und Versicherungen. Das wirft für uns die Frage auf: Betrifft die von Ihnen geschilderte Problematik auch weibliche Führungskräfte, also etwa Managerinnen und Unternehmerinnen? Und falls ja, welche Besonderheiten sehen Sie da?

Mag. Eisenberger: Die meisten meiner Kunden sind gut ausgebildet und auch entsprechend in leitenden Positionen tätig oder aber Freiberufler sowie UnternehmerInnen.

Frauen in Führungspositionen und Unternehmerinnen haben sehr fordernde und verantwortungsvolle Jobs. So bleibt meist kaum Zeit für ihre eigenen Finanzen. Es ist immer ausreichend Geld vorhanden, man muss sich daher nicht besonders „um das liebe Geld“ kümmern.

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig beruflich sehr erfolgreiche Frauen über ihre finanzielle Zukunft Bescheid wissen. Oft genügt eine einfache Hochrechnung, um großes Erstaunen bei den zu erwartenden Lücken in der Pension zu ernten. Das heißt, ich unterstütze diese Frauen, die eigenen Finanzen zu planen und nicht nur die der anderen.

So erspare ich meinen Kundinnen durch meine Beratung nicht nur viel Geld sondern auch Zeit. Und Zeit ist ein besonders knappes Gut.

Welche Rolle kann das Coaching weiblicher Führungskräfte Ihrer Meinung nach in diesem Kontext spielen?

Mag. Eisenberger: Coaching kann dabei sehr hilfreich sein. Durch die Fragen einer neutralen Person wird man angeregt, in allen Bereichen neue Ideen oder Lösungen zu finden. Ähnlich wie im Karrierecoaching handelt es sich bei meiner Tätigkeit  um eine Begleitung, bei der ich ganz  gezielt Fragen stelle. Diese Fragen regen dazu an, sich mit eigenen Wünschen und Zielen zu befassen. Das hat man oft schon lange nicht mehr gemacht.

Durch meine Erfahrung kenne ich mittlerweile viele Bedürfnisse und Wünsche und schaffe Verständnis für Zusammenhänge und Probleme in der Zukunft. So kann ich für Überblick über alle Bereiche sorgen und andere Blickweisen schaffen.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich immer wieder auf seine ureigensten Wünsche und Ziele zu besinnen. Es ist nie zu spät, damit zu beginnen, diese umzusetzen.

Ganz nach dem Motto: Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts.

Zur Person Johanna Eisenberger:

Mag. Johanna Eisenberger im Gespräch mit dem Leadership InstituteJohanna Eisenberger kam zum Studium der Handelswissenschaften aus der Steiermark nach Wien, weil sie immer schon die Spielregeln kennenlernen wollte, nach denen Wirtschaft funktioniert.

Nach Jahren erster Führungserfahrungen in der Optikbranche folgte nach der Geburt ihrer Tochter eine kurze Familienpause. Danach machte sie sich als Vermögensberaterin und Versicherungsmaklerin selbstständig und betreut seit 1995 erfolgreich PrivatkundInnen, FreiberuflerInnen und Klein- und Mittelbetriebe.

Ihr fachlicher Schwerpunkt liegt auf maßgeschneiderten Vorsorge- und Veranlagungskonzepten im Sinne einer lebensbegleitender Beratung. Weitere Informationen und Kontakt

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