Gabriele Stowasser, Vorstandsmitglied Senat der Wirtschaft, im Gespräch

Nachhaltigkeit, Management und Führung

Interview mit Gabriele Stowasser, Vorstandsmitglied Senat der Wirtschaft im Gespräch mit Judith Girschik


Eines Ihrer Leitmotive im Senat ist Wirtschaft für Menschen. Was bedeutet dieser humanistische Grundgedanke in Zeiten der Krise und wie setzen Sie ihn um?

Stowasser: Der Senat der Wirtschaft richtet sich nach den Prinzipien der ökosozialen Marktwirtschaft, wo es um ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaft, Umwelt und den sozialen Anliegen der Menschen geht. Das sollte in Zeiten der Krise nicht anders sein als in normalen Zeiten, man darf sich nur nie von Ängsten leiten lassen.

Die vereinten Nationen haben 17 Nachhaltigkeitsziele definiert. Im Senat der Wirtschaft haben Sie dieses Thema aufgegriffen und setzen sich für die nachhaltige Nutzung von Ressourcen ein. Wie ist dieser Schwerpunkt entstanden?

Stowasser: Unsere Arbeit basiert von Anfang an auf 4 Säulen – Wirtschaft, Ökologie, Bildung und Gesundheit. Alle 17 Nachhaltigkeitsziele finden sich in diesen 4 Säulen wieder. Deshalb haben wir die Idee unseres Ethik-Beirats, uns hier mehr zu engagieren, gerne aufgegriffen, und den Austrian SDG Award ins Leben gerufen, wo wir in 4 Kategorien – Unternehmen, Gemeinden, Jugend und Medien – jene auszeichnen, deren Bemühungen in Richtung Agenda 2030 gehen.


Viele Innovationen sind heute technikgetrieben. Der Senat der Wirtschaft macht sich sowohl für Digitalisierung als auch für Nachhaltigkeit stark. Inwieweit halten Sie Innovation und Nachhaltigkeit für vereinbar?

Stowasser: Als Plattform für österreichische mittelständische Unternehmen setzen wir uns immer für das ein, was unseren Unternehmen nachhaltig weiterhilft, wettbewerbsfähig zu werden bzw. zu bleiben. Z.B. vernetzen wir kreative Start-Ups mit etablierten Unternehmen, um das Beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden. Das Programm nennt sich übrigens „Innovationsmacher“.


Der Senat der Wirtschaft übernimmt eine Führungsrolle, wenn es um Internationalisierung österreichischer Unternehmen geht. Er öffnet österreichischen Unternehmen Türen in neue Märkte und verbindet so österreichische Unternehmer und Unternehmerinnen auch über die Landesgrenzen hinaus. Wo liegen hier für Sie als Vorstand für internationales Projektmanagement aktuelle Schwerpunkte und Herausforderungen?

Stowasser: Führungsrolle wäre wirklich zu hoch gegriffen! Aber durch die von uns unterstützten Senatsgründungen in Kroatien, Serbien, Bosnien, und bald auch in Slowenien und Ungarn, sowie durch die bestehende Kooperation mit dem deutschen Senat der Wirtschaft und nicht zuletzt durch die Integration im Europäischen Senat, haben wir die Möglichkeit, punktgenau die idealen Partner zu finden. Darüber hinaus und abgesehen von der aktuellen Lage aufgrund der Pandemie organisieren wir gemeinsame Foren, um einen besseren Austausch zu ermöglichen. Ziel ist es auch, grenzüberschreitende EU-Projekte anzuregen, um hier den europäischen Gedanken, wie wir ihn in den vergangenen Jahren in Form eines Donauforums erarbeitet haben, weiter zu tragen und zu stärken.


Im Senat nehmen Sie auch eine Beratungsfunktion für Unternehmerinnen und Unternehmer wahr. Ließe sich diese Beratungstätigkeit im weiteren Sinne auch als Coaching von Führungskräften verstehen? Wenn ja, mit welchen Zielen ist dieses Coaching verbunden?

Stowasser: In der Tat beraten wir nicht, wir sehen vielmehr Synergien, die den Betreffenden möglicherweise verborgen geblieben sind. So gelingt es uns, Menschen in ihrem Wirtschaften zusammen zu bringen. Manchmal entsteht dadurch etwas richtig Großes!

WIR sind es aber, die von den Unternehmerinnen und Unternehmern lernen, nicht umgekehrt. Und dieses Wissen können wir vertrauensvoll an andere weitergeben,


Viele Märkte befinden sich aktuell im Umbruch. Vielerorts ist die Lage angespannt. Welche Persönlichkeitseigenschaften und Führungsqualitäten müssen Unternehmer mitbringen, die auch in Zukunft bestehen wollen?  Welche Rollen spielen dabei Leistungsorientierung und Integrität?

Stowasser: Heute muss eine Führungskraft vor allem Vertrauen mit sich bringen – in sich, in ihre Mitarbeiter und in ihr Unternehmen. Kreativität und Mut sind ebenfalls gefragt, wenn beispielsweise ein Richtungswechsel notwendig wäre. Integrität ist meiner Meinung nach wichtiger als Leistungsorientierung. Denn heute sehen viele gerade in der Krise die Möglichkeit, inne zu halten und zu überlegen, wie man sich für die kommenden Jahre am besten vorbereitet: Neue Allianzen eingehen z.B. neue Kooperationen, neue Kundensegmente, u.v.m.


Gesundheit ist ein hochaktuelles Thema. Welche Rolle spielt (betriebliche) Gesundheitsförderung in diesem (oben genannten) Zusammenhang?

Stowasser: Leider reihen immer noch viele Unternehmerinnen und Unternehmer die Gesundheit eher hinten an. Volkswirtschaftlich gesehen wäre die betriebliche Gesundheitsförderung extrem wichtig, aber das Thema ist noch nicht bei allen angekommen. In der Pandemie ist man zu sehr mit den damit verbundenen Ängsten beschäftigt, und im Allgemeinen liegt der Fokus immer noch auf der Behandlung von Krankheiten als auf der Prävention. Wir versuchen in unseren regelmäßigen Talks und in unseren Medien permanent darauf aufmerksam zu machen und auch konkrete Unterstützung über unsere Partner anzubieten.


Worin liegt Ihre persönliche Motivation, sich im Senat der Wirtschaft zu engagieren?

Stowasser: Ich komme fast tagtäglich (derzeit virtuell) mit unglaublich vielen, wunderbaren Menschen zusammen, die teilweise Unglaubliches leisten. Mich interessiert, wie aus einer Idee, einer Vision, ein Projekt entsteht. Ich liebe es, mich von Jungunternehmern inspirieren zu lassen, bewundere die Beharrlichkeit und die Kreativität der Social Entrepreneure, verneige mich vor Familienunternehmen. Und dann kommt der Moment, wo ich meinen Beitrag leisten kann – sei es in Form einer Vernetzung oder einer anderen Form der Unterstützung. Das macht mich glücklich und stolz.


Zurückkommend auf das Leitmotiv „Wirtschaft für Menschen“: Was dürfen wir uns als Unternehmer und Wirtschaftstreibende vom Senat in den kommenden Monaten und Jahren erwarten?

Stowasser: Es ist uns wichtig, vieles sichtbar zu machen. In der aktuellen Situation sind es Problemlösungen, kreative Ideen, multiplizierbare und grenzüberschreitende Projekte. Wir wollen, dass unsere Senatorinnen und Senatoren sich als große Vertrauens-Community sehen. Wir fördern daher den Gedankenaustausch, Kooperationen, Energiegemeinschaften, kurz gesagt: DO Tanks vor Think Tanks, und zwar gemeinsam und nicht als ICH-AGs. Auch Gemeinden mit ihren Unternehmen werden wir mit einbeziehen, denn die Belebung der Regionen in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung zählt zu jenen Aktivitäten, die unserer Meinung nach großes Potential haben, glücklichere Menschen in der Wirtschaft zu sehen.


Zur Person:

Gabriele Stowasser

Gabriele Stowasser, Senat der WirstchaftNach dem Dolmetscherstudium an der Universität Wien war Gabriele Stowasser in der internationalen Hotel- und Tourismusbranche tätig. Als Corporate Director of Sales & Marketing der österreichischen Business-Hotelkette Marco Polo im 5-Sterne-Segment baute sie das internationale Geschäft für die Kette sowie Tourismusprojekte zwischen Österreich und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf; sie übernahm auch die Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit und die Organisation von Veranstaltungen.

Nach 8 Jahren Erfahrung in diesem Markt gründete Gabriele Stowasser ihre eigene Marketingfirma und vertrat österreichische Kurorte und Privatkliniken in Russland sowie in den Emiraten. Weiters wurde sie vom Ministry of Cabinet Affairs & Information in Bahrain beauftragt, Pressereisen zu organisieren, um das Königreich Bahrain als touristische Destination zu bewerben.

Danach wechselte Gabriele Stowasser in den Interessensbereich eines Finanzdienstleisters und wurde Marketingleiterin von Diners Club Austria, wo sie mehrere neue Projekte umsetzte, bevor sie die Abteilung Service Establishments übernahm und Erfahrungen in der Akquisition und dem Contracting der wichtigsten österreichischen Branchen und Großhändler sammelte.

Nach 6 Jahren bei der Kreditkartenfirma kehrte sie zu ihren früheren Wurzeln zurück und setzte ihre Fähigkeiten als Tourismusberaterin für Heller Consult ein, um Brücken zwischen Mitteleuropa und dem Nahen Osten zu bauen, insbesondere im Bereich des medizinischen Fachwissens.

Die Mutter eines erwachsenen Sohnes ist heute Vorstandsmitglied des SENAT DER WIRTSCHAFT, einer Non-Profit-Organisation und einer sozial-ökologischen Wirtschaftsplattform, die auf 4 Säulen basiert: Ökonomie, Ökologie, Gesundheit und Bildung. Während der SENAT die Interessen der Unternehmer vertritt, ist es eines der Ziele von Gabriele Stowasser, Unternehmer in Österreich und im Ausland zusammenzubringen, um gewinnbringende Partnerschaften zu etablieren.

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