Im Gespräch mit Dagmar Gross, Geschäftsführerin des Österreichischen Sektkomitees

Dagmar Gross im Interview

März 2, 2021

Redaktion

Interview mit Dagmar Gross, Geschäftsführerin des Österreichischen Sektkomitees

Nationale und internationale Verantwortung

Sie sind national wie international für Organisation und Weiterentwicklung des österreichischen Sekts verantwortlich. Was hat Sie motiviert, diese Herausforderung anzunehmen?

Dagmar Gross: Diese Aufgabe ist für mich eine große Freude. Ich darf in einer der spannendsten Zeiten für den österreichischen Sekt mit dabei sein und an seinem Aufstieg teilhaben. Ein erstklassiges Produkt, das im Trend liegt, dessen Image es aber noch breiter zu kommunizieren und zu festigen gilt. Mir bietet sich die Möglichkeit zu gestalten, kreativ zu sein.

Welchen Herausforderungen sehen Sie sich aktuell gegenüber und wie bewältigen Sie diese?

Dagmar Gross: Den Sektherstellern wurde dieses Jahr die Hauptsaison mit Weihnachten, Silvester und Ballsaison, in der sie üblicherweise 45 Prozent ihres Jahresumsatzes machen, durch Lockdown 2 sprichwörtlich ersatzlos gestrichen. Somit gilt es den Sekt umso mehr in den Sommer zu bringen. Dem kommt zugute, dass ich vergangenes Jahr das Veranstaltungsformat „Sekt am See“ kreiert habe und wir bereits einen ersten erfolgreichen Testballon am Wolfgangsee durchführen konnten. Diese Jahr wollen wir mit dieser Wanderveranstaltung weiter an den Wörthersee ziehen. Was die Sache nicht einfach macht, ist die vorherrschende Planungsunsicherheit. Das bedeutet zwei bis drei Varianten zu planen und zu hoffen, dass eine davon umsetzbar ist. Darüber hinaus hoffen wir, dass die Gastronomie bald wieder öffnen darf.


Genuss als Geisteshaltung

Wie wichtig ist Genuss für Sie?

Dagmar Gross: Für mich ist Genuss eine Geisteshaltung, die weit über den Sinnesgenuss hinaus geht.

Worum geht es Ihnen dabei?

Dagmar Gross: Bei der Entstehung und Gewinnung von kulinarischen Produkten spielen immer mehr die Parameter Hingabe, Ursprünglichkeit und Ehrlichkeit eine Rolle. Auch soziale Verantwortung. Die feinsten Speisen, das beste Glas Wein können keinen besonderen Genuss bieten, wenn dabei z.B. die mitarbeitenden Menschen, Tier oder Natur schlecht behandelt wurden.


Qualität und Erfolg

Klingt das nicht ein wenig anstrengend?

Dagmar Gross: Eher reizvoll. Je mehr man Menschen kennenlernt, die eine wirkliche Liebe für die Herstellung ihrer Produkte an den Tag legen, desto langweiliger findet man alles andere.

Wie erfolgreich sind solche Produzenten?

Wenn jemand engagiert, ehrlich und verlässlich ist, läuft die Mundpropaganda von selber an. Kommunikationsaffine Menschen haben es natürlich leichter. Sprich, es braucht genauso geschäftliches Geschick. Daran scheitern auch immer wieder welche.


Diversity in der Sektbranche

Sie sind die einzige Frau in einer leitenden Position in der österreichischen Sektwirtschaft. Welche Führungsqualitäten und Persönlichkeitsmerkmale helfen Ihnen, sich in dieser traditionell männerdominierten Branche zu behaupten?

Dagmar Gross: Meine Herangehensweise ist grundsätzlich eine eher rationale, ich vertrete keine persönlichen Interessen, sondern bin ganz auf meine Kernaufgaben fokussiert. Ein Vorteil ist sicher auch, dass ich die Branche und ihre Akteure sehr, sehr gut kenne und über ein exzellentes Netzwerk verfüge.


Unternehmertum & Vielfalt

Ihre Aktivitäten am nationalen und internationalen Genussmarkt sind sehr vielfältig. Wenden Sie sich mit den Angeboten des Sektkomitees auch an Unternehmerinnen und Unternehmer?

Dagmar Gross: Ja durchaus. Derzeit vor allem dann, wenn es sich um Sponsoren handelt. Sollte jemand anderweitig eine Idee haben, so bin ich offen dafür.

Als Unternehmerin betreiben Sie nicht nur eine PR-Agentur, sondern auch eine Plattform für Kunsthandel. Welche Herausforderungen sind aktuell mit dieser Aufgabe verbunden und wie begegnen Sie diesen?

Dagmar Gross: Hauptthemen sind derzeit die mangelnde Planbarkeit und unsichere Perspektiven. Damit einher geht die verhaltene Bereitschaft für Investitionen in Marktaktivitäten. Zugleich stellen sich auch manche Unternehmerinnen und Unternehmer rasch auf Neues ein, sind offen für „Below the Line-Aktivitäten“ und bleiben selbst dann dran, wenn der erste Versuch nicht optimal gelingt. Für Letztere hege ich große Sympathie, weil sie den Markt in einer Zeit beleben, in der jede positive Brise Mut macht und Zuversicht verbreitet.


Ziel und Motivation

Verstehen Sie Ihre Beratungstätigkeit im weiteren Sinne auch als Coaching und welches Ziel verfolgen Sie damit?

Dagmar Gross: Beratungstermine nehmen bei mir tatsächlich zu. Ich lasse mich dabei sehr auf die Fragestellungen oder Ziele meiner Kundinnen und Kunden ein, die meist mit Vertrieb, Reputationsmanagement, Branding, Sortimentsgestaltung oder Medienarbeit zu tun haben. Mein Zugang ist hierbei durchaus ein empathischer, aber vor allem ein lösungsorientierter. Als Coaching würde ich das nicht bezeichnen, das können andere besser.

Sie sind seit Jahren erfolgreiche Unternehmerin. Worin lag Ihre Motivation, Unternehmerin zu werden und zu bleiben?

Dagmar Gross: Getrieben hat mich einst der Wunsch selbständig Entscheidungen zu treffen, unabhängig zu sein und etwas zu bewegen. Daran etwas zu ändern, ist mir all die Jahre nicht in den Sinn gekommen.

Wir danken für das Gespräch!


Zur Person Dagmar Gross:

Dagmar Gross Die Kulinarikexpertin mit diversen Spezialausbildungen widmet sich mit ihrer Agentur grosswerk den Themen Marketing und Pressearbeit für Genussprodukte. Zudem ist sie Geschäftsführerin des Österreichischen Sektkomitees, Mitglied des Vorstands der Sommelier Union Austria und Präsidentin des Oberösterreichischen Sommeliervereins.

Kunst spielt ebenfalls seit jeher eine bedeutende Rolle in Ihrem Leben. Einer intensiven Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Malerei und Fotografie folgte im Jahr 2012 die Gründung der Galerie grosswerk.

 

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