Lehrlingsmediation nach §15 a BAG

Lehrlingsmediation in Österreich

Für viele österreichische Betriebe stellen Lehrlinge eine wesentliche Stütze dar. Lehrlingsausbildungen funktionieren vor allem dort gut, wo Lehrherr und Lehrling motiviert sind, ausreichend Zeit füreinander haben und auch aufeinander eingehen. Unter solchen Bedingungen entwickeln sich die Kenntnisse und Fertigkeiten von Lehrlingen im Allgemeinen gut. Leider ist das nicht immer so. Wenn Lehrlinge etwa mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden sind und Angst davor haben, Probleme am Arbeitsplatz anzusprechen, kann das das Klima am Arbeitsplatz empfindlich verschlechtern. Wenn der Arbeitgeber dann auch noch verständnislos auf den resultierenden Rückzug des Lehrlings reagiert, hat sich oft ein bereits handfester Konflikt entwickelt. Derartige Konflikte und die daraus folgende Unzufriedenheit können so gravierend sein, dass der Arbeitgeber das Lehrverhältnis dann vorzeitig beenden möchte. Man spricht dann von einer außerordentlichen Auflösung des Lehrverhältnisses. Dabei hat der Ausbildner bzw. Arbeitgeber die Möglichkeit – ähnlich wie bei einer herkömmlichen Beendigung eines Dienstverhältnisses (Kündigung) – das Lehrverhältnis auch ohne besonders schwerwiegenden Grund aufzulösen. Wenn der Arbeitgeber sich allerdings dazu entschließt, das Lehrverhältnis auf diese Weise zu beenden, ist er verpflichtet, sich an bestimmte Fristen zu halten und darüber hinaus auch eine sogenannte Lehrlingsmediation durchzuführen.

Bevor es also zu einer solchen „außerordentlichen Auflösung“ des Lehrverhältnisses bzw. in weiterer Folge zu einem  „Ausbildungsübertritt“ kommen kann, muss nach österreichischem Berufsausbildungsgesetz eine Lehrlingsmediation stattfinden.

 

Was ist das Ziel der Lehrlingsmediation?

Ziel des Mediationsverfahrens ist es, dass Arbeitgeber und Lehrling die Möglichkeit erhalten, die vorliegenden Probleme zu erörtern und zu lösen. Dazu zählt auch, ob und unter welchen Voraussetzungen das Lehrverhältnis weitergeführt werden kann. Die Absicht des Gesetzgebers hinter der Lehrlingsmediation ist es, die berufliche Zukunft des Lehrlings nicht zu gefährden.

 

Wer nimmt an der Lehrlingsmediation teil?

Folgende Personen nehmen an einer Lehrlingsmediation teil:

  • Der Lehrberechtigte/ Ausbildner bzw. Arbeitgeber
  • Der Lehrling
    Falls der Lehrling minderjährig ist, nimmt auch sein gesetzlicher Vertreter teil. Wenn der Lehrling es wünscht, kann auch eine von ihm gewählte Vertrauensperson am Mediationsgespräch teilnehmen.
  • Der Mediator
    Die Mediation muss durch einen fachlich ausgebildeten unparteiischen Dritten (Mediator) begleitet werden. Dieser muss im Verzeichnis für Mediatoren (Liste des Bundesministeriums für Justiz) eingetragen sein.

 

Wie finde ich einen geeigneten Mediator?

Als Arbeitgeber müssen Sie dem Lehrling einen Mediator vorschlagen. Dieser muss in der Liste der Mediatoren des Bundesministeriums für Justiz (BMJ) eingetragen sein. Die Liste können Sie unter folgendem Link aufrufen: http://www.mediatorenliste.justiz.gv.at/mediatoren/mediatorenliste.nsf/contentByKey/VSTR-7DYGZB-DE-p

Der Lehrling hat das Recht, den von Ihnen vorgeschlagenen Mediator abzulehnen. Falls das passiert, müssen Sie ihm noch zwei weitere Mediatoren (ebenfalls aus der Liste des BMJ) vorschlagen.

 

Wann muss ich den Lehrling über die geplante Mediation informieren?

Der Vorschlag einer Mediation (und der geplanten Auflösung des Lehrverhältnisses) muss rechtzeitig erfolgen:
Das bedeutet, der Lehrling (sowie die örtlich zuständige Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer, Betriebsrat bzw. Jugendvertrauensrat) muss spätestens zu Ende des neunten bzw. 21. Lehrmonats über die bevorstehende Mediation informiert werden.

Ist der Lehrling verpflichtet, an der Mediation teilzunehmen?

Nein, der Lehrling muss an der Mediation nicht teilnehmen. Der Lehrling kann die Teilnahme an der Mediation (schriftlich) ablehnen. Falls der Lehrling seine Meinung ändern sollte, kann er die  Ablehnung noch innerhalb von 2 Wochen widerrufen.

 

Wann muss ich den Mediator mit der Durchführung der Lehrlingsmediation beauftragen?

Der Mediator muss spätestens am Ende des zehnten bzw. 22. Lehrmonats beauftragt werden.

 

Wer bezahlt für die Lehrlingsmediation?

Die Kosten für die Mediation müssen vom Arbeitgeber getragen werden.

 

Wie findet die Lehrlingsmediation in der Praxis statt?

Der Ablauf der Mediation gestaltet sich üblicherweise folgendermaßen:

  • Schritt 1 : Vorgespräch
    Nachdem der Mediator ausgewählt und vom Unternehmen beauftragt wurde, führt er üblicherweise zunächst einmal Vorgespräche mit allen Beteiligten durch. Das sind Einzelgespräche sowohl mit dem Arbeitgeber als auch mit dem Lehrling. Im Zuge dieser Vorgespräche werden die vorliegenden Probleme und mögliche Ursachen  besprochen.
  • Schritt 2: Mediationsgespräch
    Darauf folgt ein Gespräch mit allen Beteiligten (Mediationsgespräch). Dazu zählen Lehrberechtigter und Lehrling. Bei minderjährigen Lehrlingen nimmt auch der gesetzliche Vertreter des Lehrlings teil. Auf Wunsch des Lehrlings kann auch noch eine weitere Vertrauensperson hinzugezogen werden.
    In diesem Gespräch werden die unterschiedlichen Interessen der Betroffenen dargestellt. Danach wird versucht, Lösungswege für das vorliegende Problem zu finden.
  • Schritt 3: Abschluss
    Die erarbeiteten Lösungswege bzw. die Ergebnisse der Mediation werden vom Mediator schriftlich zusammengefasst. In dieser Erklärung über das Ergebnis des Mediationsverfahrens wird dargestellt, ob

    • der Lehrberechtigte sich bereit erklärt, die Lehrlingsausbildung fortzusetzen oder
    • der Lehrling erklärt, dass er nicht drauf besteht, das Lehrverhältnis fortzusetzen
    • der Mediator die Mediation für beendet erklärt oder
    • das Mediationsverfahren (nach mindestens einem Mediationsgespräch) durch Zeitablauf beendet wird, falls kein Ergebnis erzielt werden konnte.

 

Wann ist das Mediationsverfahren beendet?

Die Mediation ist beendet,

  • wenn der Lehrberechtigte sich bereiterklärt, das Lehrverhältnis fortzusetzen,
  • wenn der Lehrling nicht weiter auf der Fortsetzung des Lehrverhältnisses besteht
  • wenn der Mediator die Mediation für beendet erklärt oder

Falls im Zuge der Mediation kein Ergebnis erzielt wurde, endet die Mediation mit Beginn des fünften Werktages vor Ablauf des elften bzw. 23. Lehrmonats.

 

Wann kann ich das Lehrverhältnis nach Ende der Lehrlingsmediation beenden?

Sie können das Lehrverhältnis beenden, sobald die Mediation abgeschlossen ist. Der Lehrling muss dabei die schriftliche Auflösungserklärung spätestens am letzten Tag des 11. bzw. 23. Lehrmonats erhalten.

Ist dem Lehrling die Auflösungserklärung rechtzeitig zugegangen, endet das Lehrverhältnis mit Ende des ersten oder zweiten Ausbildungsjahres, d. h. am letzten Tag des 12. oder des 24. Lehrmonats.

 

Was passiert nach der außerordentlichen Auflösung beim Ausbildungsübertritt?

Wenn es nach Beendigung der Mediation zu einer Auflösung des Lehrverhältnisses gekommen ist, muss der Lehrberechtigte die Lehrlingsstelle über die außerordentliche Auflösung des Lehrverhältnisses informieren.

Sobald diese Information bei der Lehrlingsstelle eingetroffen ist, informiert diese die regionale Geschäftsstelle des AMS (Arbeitsmarktservice). Ziel dabei ist, dass für den Lehrling ein reibungsloser Ausbildungsübertritt gewährleistet ist und dass das AMS den Lehrling dabei unterstützen kann, rasch einen anderen Ausbildungsplatz zu finden. Sofern der Lehrling erklärt, dass er seine Berufsausbildung fortsetzen möchte, wird das AMS ihm innerhalb von drei Monaten einen neuen Ausbildungsplatz vermitteln.

 

Wo erhalte ich weitere Informationen zur Lehrlingsmediation?

Wenn Sie noch Fragen zur Lehrlingsmediation haben, stehen Ihnen erfahrene Mediatoren des Leadership-Institutes gerne zur Verfügung.

 

Kontakt

Dr. Judith Girschik
E-Mail: .img@.img Tel.: +43 664 954 53 09

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